Work-life-balance: Arbeit und Leben im Gleichgewicht
Work-life-balance ist der Megatrend aus den USA. Nach jahrelangem "lean
management" macht sich unter der arbeitenden Bevölkerung Nachdenklichkeit
breit. In England ist knapp die Hälfte der Topmanager mit ihrer Work-life-balance
unzufrieden, in Deutschland gehen über 75% der Vorgesetzten mit Angst zur
Arbeit.
Work-life-balance
bedeutet Gleichgewicht zwischen Arbeit und anderen Bereichen des Lebens.
Damit haben im besonderen Manager grosse Schwierigkeiten, zunehmend auch
MitarbeiterInnen ohne Führungsaufgabe. In Grossbritannien gaben 71
Prozent der befragten Führungskräfte an, dass die Arbeitsbelastung
ihre Gesundheit gefährde, über 80 Prozent glaubten, dass ihre
Partnerschaft leide und fast 90 Prozent beklagten, dass die Beziehung zu
ihren Kindern Schaden nimmt. Arbeit und Leben in ein Gleichgewicht zu bringen
ist schwierig. Wieso bemühen wir uns so sehr, den betrieblichen Anforderungen
und dem persönlichen Erfolg im Beruf gerecht zu werden und verlieren
dabei die privaten Bedürfnisse komplett aus den Au-gen? Wieso "krampfen
wir uns zu Tode " und merken den Fehler erst, wenn es zu spät ist?
Arbeit und Existenz
Die Arbeit hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert: Sie gibt uns Identität und Selbstbestätigung. Wenn wir arbeiten, haben wir eine Existenzberechtigung. Arbeit steigert unser Wohlbefinden, erhält uns gesund. Arbeit zu haben bedeutet kontinuierliche Persönlichkeitsentwicklung und Weiterbildung, ein erweitertes soziales Umfeld und nicht zuletzt eine geordnete Ta-gesstruktur.
In schwierigen Zeiten, wenn Arbeit und Geld knapp werden, ist der Arbeitgeber
oft nicht mehr mit der durchschnittlichen Leistung zufrieden. Wer noch einen
Job hat, möchte beweisen, dass er sein Geld wert ist - und sich so
seine Stelle sichern. So sind viele ArbeitnehmerInnen bereit, länger
und härter zu arbeiten - auf Kosten der privaten Zeit. An diesen Anpassungen
an die Arbeitsmarktsituation ist prinzipiell nichts einzuwenden. Aber sie
darf gewisse Grenzen nicht überschreiten. Diese Grenze ist individuell,
genau so wie die Leistungs- und Erholungsfähigkeit. An einigen körperlichen
und psychischen Symptomen erkennen Sie, wie gross Ihre Kraftreserven sind
(siehe Kasten).
Die heutigen ArbeitnehmerInnen müssen selbstverantwortlich, unternehmerisch und flexibel sein. Auf der anderen Seite sind ArbeitnehmerInnen auch Privatmenschen mit Bedürfnis nach Ruhe und Erholung.
- ein Balanceakt
Die Erhaltung der Work-life-balance fordert von Ihnen ständige Veränderung. Täglich entscheiden Sie, welchen Aktivitäten Sie Priorität einräumen. Grundsätzlich stehen Ihnen vier Zeiten zur Verfügung:
- Arbeitszeit
- Regenerationszeit:
Schlafen, Sport, Körperhygiene, Entspannungsübungen
- Sozialzeit:
Kontakte mit Familie und Freunden
- Privatzeit:
Lesen, auf der Hängematte liegen und nachdenken etc.
Nehmen Sie sich etwas Privatzeit und denken Sie über folgende Fragen nach:
- In welchem Verhältnis lebe ich meine vier Zeiten?
- Entspricht diese Verteilung meinen Wünschen?
- Welche Ziele - berufliche, familiäre, persönliche - möchte ich noch erreichen in meinem Leben?
Die Ausdehnung der Arbeitszeit auf Kosten des Privatlebens ist ein schleichender Prozess. Weitgehend liegt Ihr Lebenserfolg in Ihren eigenen Händen. Wenn Sie es schaffen, eine stabile innere Sicherheit und Stärke aufzubauen, wenn Sie Ihre Schwächen kennen und auch anerkennen, sind Sie für Ihre Mitmenschen im Privat- und im Arbeitsleben eine wahre Bereicherung.
Autor: von Sandra Kündig, Institut für Arbeitsmedizin.
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